Eindrückliche Erlebnisse beim Start der Geschichtswerkstatt in München

24.01.2018

Gemeinsam mit dem Kulturbüro Sachsen e.V., dem Zwickauer Demokratie Bündnis und über 20 Schülerinnen und Schülern der Schulsozialarbeit Pestalozzischule Zwickau, der Fucikschule Zwickau, dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium, dem Peter-Breuer-Gymnasium Zwickau, dem Alexander von Humboldt Gymnasium Werdau und dem Zwickauer Jugendbuffet startete heute die Zwickauer Geschichtswerkstatt zur Aufarbeitung der NSU-Verbrechen - das neuestes Projekt des vereins Alter Gasometer.

Drei Tage waren wir in München unterwegs, u.a. auch beim Prozess. Am Tag 1 gab´s die erste spannende Einführung mit einem aktiven Prozessbeobachter und akkreditierten Journalisten, der schon über 400 Prozesstage vor Ort erlebte. Den Abend ließen wir gemütlich ausklingen. Ein Dank geht schon jetzt an alle Beteiligten.

 

 

Tag 2: Am Tag zwei unseres Ausflugs der NSU-Geschichtswerkstatt mit dem Kulturbüro Sachsen e.V. stand der Besuch des Prozesses auf dem Plan. Nach Einlasskontrollen wie am Flughafen konnten wir zwei Stunden Prozess im durch uns vollbesetzten Saal miterleben, in denen die Verteidigung durch einen Antrag auf erneute Beweisaufnahme im Fall "Beschaffung der Tatwaffe Ceska 034678" mitten im Plädoyer für eine Überraschung sorgte. Wir konnten einen guten Eindruck gewinnen, warum sich der Prozess solange hinzieht, dabei aber viele zentrale Fragen nach wie vor nicht geklärt sind. So geht die Bundesanwaltschaft weiterhin von der "Trio-These" aus, obwohl nach Aussage der Nebenkläger vieles für ein deutschlandweites Netzwerk vieler teils noch frei herumlaufenden Personen spricht.

 

Dies kristallisierte sich auch im anschließenden Gespräch mit einer Anwältin der Opfer heraus. Ebenso wie die nach wie vor kaum beleuchtete Rolle des Verfassungsschutzes/Staates, dessen Versagen im Prozess kaum eine Rolle spielte und deren Aufarbeitung kaum Platz gewährt wurde.

 

Viele Medienvertreterinnen und Medienvertreter kamen zudem auf uns zu und interessierten sich für unser Projekt. Prompt kam es zu Interviews mit der Süddeutsche Zeitung und dem BR - Bayerischer Rundfunk. Ein aufregender Tag!

 

 

Tag 3: Letzter Tag unseres Auslugs nach München: Heute haben wir noch zwei Gedenkstätten für Opfer rechten Terrors besucht. Zunächst waren wir an der Theresienwiese, wo sonst das Oktoberfest stattfindet.

 

Das Oktoberfestattentat war ein Terroranschlag am 26. September 1980 am Haupteingang des Oktoberfests in München. Durch die Explosion einer Rohrbombe wurden 13 Menschen getötet und 211 verletzt, 68 davon schwer. Der Anschlag gilt als schwerster Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte.

 

Es lassen sich gewissen Parallelen zur Aufarbeitung des NSU erkennen! Als Bombenleger wurde Gundolf Köhler ermittelt, der selbst bei dem Anschlag starb. Er war Anhänger der neonazistischen Wehrsportgruppe Hoffmann, die am 30. Januar 1980 verboten worden war. Ermittler schrieben 1982 abschließend, Köhler habe den Anschlag allein geplant, vorbereitet und ausgeführt. Dies wurde seitdem immer wieder bezweifelt. Eine mögliche Mittäterschaft rechtsextremer Gruppen erschien angesichts damaliger Zeugenaussagen naheliegend und wird seit 2008 durch neue Aktenfunde gestützt.

 

Im September 2014 wurden neue Zeugenaussagen bekannt; im Dezember 2014 nahm der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof die Ermittlungen wieder auf.

 

Danach besuchten wir die den Ort des Mordes an Theodoros Boulgarides.

 

Er war das siebte Todesopfer der deutschlandweiten Mordserie an Migranten durch den NSU. Die Ermittlungsbehörden verdächtigten ihn, seine Familie und sein Umfeld monatelang krimineller Machenschaften; erst nach der Selbstenttarnung des NSU Ende 2011 führten die Ermittlungen zu den mutmaßlich Verantwortlichen. Die Umstände des Mordes sind nur für die Bundesanwaltschaft geklärt, für die Angehörigen und viele Prozessbeobachter aber gibt es noch viele Fragen.

 

Fragen hatten wir dann auch noch an die Reisegruppe. Handys weg, Stifte raus! Unangekündigte Leistungskontrolle! Diese wurde mit mehr oder weniger Erfolg bewältigt. Aber wir haben ja noch Zeit, um dazuzulernen!

 

Wir sagen Danke an alle für diese beeindruckenden Erlebnisse. Danke an das Kulturbüro Sachsen e.V., an das Käthe-Kollwitz-Gymnasium; die Fucikschule, das Gymnasium Alexander v. Humboldt Haus I Werdau, die Pestalozzischule Zwickau, das Peter-Breuer-Gymnasium, das Zwickauer Jugendbuffet und an Reissmann Linienverkehr.

 

Gefördert wurde die Ausfahrt im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben durch den Jugendfonds der Zwickauer Partnerschaft für Demokratie. Diese Maßnahme wurde mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes und im Rahmen des Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“.

 

 

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