Gedenkveranstaltung: Verlegung neuer Stolpersteine in Zwickau

29.05.2017 (13:00), Vor dem Rathaus, Hauptmarkt, 08056 Zwickau

Verlegung sieben neuer Stolpersteine in Zwickau

für

 

Liebi & Mendel Klein

Ort: Dr.-Friedrichs-Ring

(Nähe KPD-Denkmal und Zufahrt Rasmussen-Bau der Fakultät Automobil- und Maschinenbau/Westsächsische Hochschule)

 

Minna & Mendel Brandwein

Toni Hausmann, geb. Brandwein und Sohn Jack Hausmann

Elsa Saß, geb. Brandwein

Ort: neben Alter Steinweg 16

 

Eine Gedenkveranstaltung findet am Montag, 29. Mai 2017 um 13.00 Uhr vor dem Rathaus, auf dem Hauptmarkt statt. Die Schülerinnen und Schüler der Projektgruppe Geschichte des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums Zwickau erinnern mit Standbildern an die Schicksale der Zwickauer Holocaust-Opfer.

 

UNTERSTÜTZUNG erhielt die Projektgruppe von:

Felix Angermann, Petra Baumann, Frank Bundesmann, Matthias Bley (Zwickauer Partnerschaft für Demokratie Alter Gasometer e. V. im Rahmen des Bundeprogrammes „Demokratie leben!“), Dr. Pia Findeiß, Franziska Gerstmeir, International Tracing Service (ITS), Thomas Köthe, Charles Moerdler, Dr. Jürgen Nitsche, Andreas Pestel, André Polrolniczak, Thomas Pühn, Sparkasse Zwickau, Viviane Schöne, Silva Teichert.

 

MITWIRKENDE AN GEDENKFEIER:

Lukas Busch, Max Dittrich, Ben Großpietsch, Max Körnig, Sara Lis, Siwita Rashidi, Patricia Sonnemann, Mathes Paul Trauer, Pascal Wilhelm, Pauline Zippel

 

Violine:

Julia Treubrodt (Maurice Ravel – Kaddisch „Deux Mélodies hébraïques”)

 

Technik:

Jakob Körnich

Rede:

Harald Nicolas Stazol

Franziska Gerstmeir

Paula Elster

 

INFORMATIONSMATERIAL

Anlässlich der Stolperstein-Verlegungen 2017 in Zwickau gibt die Projektgruppe Geschichte des KKG einen neuen Flyer heraus, der alle im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine aufführt und einige Schicksale dokumentiert.

 

Der Veranstaltung wohnen Angehörige der beiden Familien bei. Franziska Gerstmeir (Hamburg) ist eine Angehörige der Familie Klein. Charles Moerdler reist mit Familie aus New York an, um der Stolperstein-Verlegung für seine Großeltern und Tanten (Familie Brandwein) beizuwohnen.

 

Die erste Stolperstein-Verlegung findet um 14.00 Uhr auf dem Dr. Friedrichs-Ring statt. Im Anschluss verlegt Gunter Demnig fünf Stolpersteine für die Familie Brandwein: 14.45 Uhr neben Alter Steinweg 16.

 

SCHICKSALE

 

Familie Klein  

 

Liebi und Mendel Josef Klein heiraten 1898 in Frankfurt a. M. In Kassel werden die Kinder Dorothea, Karl und Theodor geboren. 1921 lebt die Familie in Zwickau. Liebi gehört am Mühlgrabenweg 21 (ab 1934 Adolf-Hitler-Ring 165) ein Wohn- und Geschäftshaus mit einem Rohproduktenhandel. Mendel Josef betreibt einen Autohandel mit Reparaturwerkstatt. Er führt außerdem eine Fabrikverkaufsstelle der Mitteldeutschen Fahrradwerke (MIFA). Die Stadt Zwickau beschlagnahmt das Anwesen 1941 – und führt das Gebäude als „Judenhaus“. Liebi und Mendel Josef erleben, wie ihr Sohn Karl (geb. 1903) am 10. Mai 1942 mit anderen Zwickauer Juden auf den größten Deportationszug aus Mittelsachsen gehen muss. Der Transport endet im Ghetto Belzyce (damals Generalgouvernement). Karl kehrt nicht zurück. Am 10. Oktober 1943 verhaftet die Gestapo Chemnitz Mendel Josef Klein. Am 27. Oktober 1943 erfolgt seine Deportation in das Konzentrationslager Buchenwald, wo er bereits am 17. November 1943 stirbt. Liebi Klein wird als sogenannter „Schutzhäftling“ am 30. November 1943 in das KZ Ravensbrück deportiert und ermordet.

 

Familie Brandwein

 

Minna und Mendel Brandwein leben ab Juni 1912 in Zwickau. In der Inneren Leipziger Straße 24 unterhält Mendel Brandwein ein Herrenbekleidungsgeschäft, später die Reinigungsanstalt „ABA“. Sie haben drei Töchter: Erna Anna (1912), Toni (1913) und Elsa (1918). Die beiden jüngeren Schwestern sind in Zwickau geboren. Ab April 1920 gehört die Familie der Israelitischen Gemeinde Zwickaus an. Die Brandweins verdienen ab 1936 den Lebensunterhalt mit einer Sackhandlung in der Bahnhofstraße 46A. Im Januar 1937 versagt ihnen die Stadt Zwickau die Gewerbelegitimationskarte. Minna und Mendel Brandwein werden mit ihren beiden Töchtern und dem kleinen Sohn Tonis, Jack, am 28. Oktober 1938 aus dem Deutschen Reich ausgewiesen und nach Polen abgeschoben. Minna und Mendel Brandwein leben nach ihrer Ankunft in Lemberg und werden 1941 in das Ghetto eingewiesen. Von dort kommt das letzte Lebenszeichen von Toni und Elsa. Vermutlich werden Toni und der kleine Jack nach Belzec deportiert und 1942 ermordet. Keiner der fünf kehrt 1945 zurück.

 

* Die Innere Leipziger Straße (ab 1875) wird 1938 in Alter Steinweg umbenannt.

Lage der Stolpersteine:

Alter Steinweg 16. Die Straßenzüge verlagerten sich geringfügig mit der Neubebauung des Viertels 1979/80.

 

 

 

Veranstalter: Projektgruppe Geschichte KKG Zwickau (Dorit Seichter)

Veranstaltungsort: Vor dem Rathaus, Hauptmarkt 08056 Zwickau

Verlegung: Gunter Demnig, Köln

 

Die Stolperstein-Aktion wird dankenswerter Weise finanziert von Zwickauer Partnerschaft für Demokratie/Alter Gasometer e.V. im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ - Sparkasse Zwickau

Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend - im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" und vom Freistaat Sachsen

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