80 Jahre Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Dienstag
28 Jan.
2025

Am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust versammelten sich ca. 120 Bürgerinnen und Bürger in Zwickau, um der Millionen Menschen zu gedenken, die unter den Verbrechen des Nationalsozialismus gelitten haben. Das Gedenken fand vor dem Rathaus der Stadt Zwickau statt und wurde vom Alten Gasometer in Kooperation mit dem Theater Plauen-Zwickau veranstaltet. Es bot einen bewegenden sowie würdigen Rahmen, um innezuhalten und an die Vergangenheit zu erinnern.

Die Schüler*innen des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums eröffneten die Veranstaltung mit der Verlesung von Namen jüdischer Zwickauer*innen, deren Leben durch den Nationalsozialismus ausgelöscht wurden. Leo Siberski, Generalmusikdirektor des Theater Plauen-Zwickau berührte mit seinem anschließenden Arrangement aus Trompetenspiel und der Interpretation von Ute Lempers Konzertreihe Songs for Eternity“. Eine Reihe, welche Lieder aus Konzentrationslagern thematisiert.

In der Ansprache des Koordinatorin des Demokratiebündnisses wurde die Bedeutung der Erinnerungskultur deutlich, insbesondere in einer Zeit, in der Ideologien von Hass und Ausgrenzung erneut auf fruchtbaren Boden zu treffen scheinen. Es wurde daran erinnert, wie wichtig es ist, die Vergangenheit aufzuarbeiten, wachsam zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen, damit sich die Schrecken der Geschichte niemals wiederholen. Mit den Worten „Nie wieder ist jetzt“ wurde ein starkes Zeichen gegen das Vergessen gesetzt.

Ein zentraler Bestandteil der Gedenkfeier war, wie bereits zu Eingang erwähnt, das Verlesen von Namen jüdischer Zwickauerinnen und Zwickauer, deren Leben durch den Nationalsozialismus ausgelöscht wurde. Aus dem Gedenkbuch des Bundesarchives wurden insgesamt 126 Namen jüdischer Zwickauer*innen verlesen, die einen Eindruck von der unermesslichen Tragweite der Verbrechen vermittelten.

Zudem boten Dr. Christian Landrock und Dr. Alexander Walther vom Staatlichen Museum für Archäologie in Chemnitz wertvolle Einblicke in die lokalhistorischen Bezüge Zwickaus zur Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Beiträge unterstrichen die Bedeutung der regionalen Aufarbeitung und zeigten eindrucksvoll, wie die nationalsozialistische Ideologie auch in Zwickau verheerende Auswirkungen hatte.

Die Veranstaltung endete mit einem berührenden Abschlusswort von Zwickaus Oberbürgermeisterin Constance Arndt, die die Verantwortung der heutigen Generation für die Zukunft betonte. Nach mehreren Besuchen verschiedener Gedenkstätten und anschließenden Gesprächen mit den Besucher*innen, stellte Constance Arndt eindringlich die Frage wie Menschen die Gräueltaten des Nationalsozialismus leugnen können und zur Tagesordnung übergehen, wenn sie einmal die „Zeugnisse“ der Konzentrationslager, wie Schuhe oder abgeschnittene Haare, gesehen haben.
Bevor die Schüler*innen des Robert-Schumann-Konservatoriums mit zwei Stücken aus der Klezmersuite von Coen Wolfgram dem Gedenken zusätzlich Tiefe und Emotionalität verliehen, trug Frau Burkhardt von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes ein Zitat vor, welches darauf aufmerksam machte, dass „Schuld“ bereits mit dem Wegschauen beginnt. Sie hatte sich spontan gemeldet und appellierte mit ihrem Beitrag an die Zivilcourage eines jeden Einzelnen.

Die Gedenkfeier war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Gemeinschaft und Kultur dazu beitragen können, die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten und sich entschieden gegen Hass und Ausgrenzung zu stellen. Die Botschaft des Tages war klar: Die Vergangenheit mahnt uns, die Zukunft mit Verantwortung und Menschlichkeit zu gestalten. NIE WIEDER IST JETZT!

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am ehemaligen KZ-Außenlager Mülsen St. Micheln

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