Kunstworkshop „Was bleibt?“

Donnerstag
06 Nov.
2025

Geschichte fand nicht irgendwo und mit irgendwem statt. Sie hat sich in unsere Städte, Dörfer und Familien eingeschrieben – in die Orte, an denen wir leben, und manchmal auch in die Geschichten, die wir lieber nicht erzählen. Spuren davon tragen wir bis heute in uns – in Erinnerungen, Haltungen, Fragen und Gefühlen.

Im Workshop „Was bleibt?“ des Projekts „DenkMal! Todesmarsch Mülsen – Eibenstock 1945“ ging es darum, diesen Spuren nachzugehen. Gemeinsam mit dem Künstler Marian Kretschmer erkundeten die Teilnehmenden, wie Erinnerung lebendig werden kann – durch die eigene Hand, durch kreative Auseinandersetzung, durch persönliche Resonanz.

Die Teilnehmenden näherten sich der Geschichte des Todesmarsches der Mülsener Häftlinge über verschiedene Quellen: Biografien, Botschaften von Hinterbliebenen und Verwandten, Fotos aus dem Außenlager und andere individuelle Perspektiven eröffneten einen sehr persönlichen Zugang zum Thema. Doch der Workshop blieb nicht bei der historischen Recherche stehen. Jede und jeder stellte sich eine eigene Frage: Mit welcher Motivation setze ich mich mit diesem Thema auseinander? Was löst das in mir aus? Wie kann ich diese Gefühle ausdrücken?

Diese Fragen wurden zum Ausgangspunkt für das künstlerische Arbeiten. Neben der Reflexion der eigenen Gefühle standen auch der Perspektivwechsel und die Erfahrung im Mittelpunkt, dass jeder Mensch andere Dinge erinnert. Durch eine Art „Stille-Post-Comic“ entstanden sehr unterschiedliche Geschichten, die alle auf dem historischen Input zum Todesmarsch basierten. Die Teilnehmenden hielten fest, was sie besonders berührte, und spannen die Gedankenfäden ihrer Sitznachbar:innen weiter. Mit dieser Fülle an Eindrücken machten sich anschließend alle an ihr persönliches Werk – und Papier sowie Folie wurden zu Trägern von Gedanken, Emotionen und Erinnerungen.

Am Ende stand keine einfache Antwort, sondern ein vielstimmiges Bild der Auseinandersetzung mit Geschichte – geprägt von Nachdenklichkeit, Zweifel, Mitgefühl und Schmerz. Doch auch der Mut, in sich hineinzuhören und den eigenen Zugang zur Vergangenheit zu finden, spielte eine zentrale Rolle.

So wurde Geschichte in diesem Workshop nicht nur erinnert, sondern erlebt – und ein Stück weit neu erzählt.

Veranstalter: Alter Gasometer e.V.

Gefördert von:

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