Würdevolles Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
Dienstag
27 Jan.
2026
Der 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hat für die Zwickauer Stadtgesellschaft und für Einrichtungen der politischen und kulturellen Bildung eine besondere Bedeutung. Die jährliche Erinnerung schafft Raum für historische Verantwortung, ermöglicht gemeinsames Innehalten und stärkt das Bewusstsein für demokratische Werte. Der Termin verbindet lokale Geschichte mit einer überregionalen Erinnerungspraxis, die an die Folgen von Ausgrenzung, Gewalt und Vernichtung erinnert und diese Erfahrungen für die Gegenwart einordnet.
Am 27. Januar 2026 versammelten sich rund 50 Teilnehmende auf dem Hauptmarkt in Zwickau, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Das Bündnis für Demokratie und Toleranz rief zur Teilnahme auf und gestaltete den Abend gemeinsam mit weiteren Engagierten aus Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft. Bereits zuvor fand im Gewandhaus ein offenes Kranichfalten statt. Diese symbolische Handlung knüpfte an die Geschichte der Papierkraniche als Zeichen für Frieden und Mitgefühl an und bot die Möglichkeit, sich ruhig und konzentriert auf das anschließende Gedenken einzustimmen.
Der zentrale Teil der Veranstaltung begann um 18 Uhr auf dem Hauptmarkt. Im Mittelpunkt stand die Verlesung eines Briefes eines Zwickauer Holocaust-Überlebenden, vorgetragen von Marina Stroisch. Der Text vermittelte persönliche Erfahrungen, die die historische Dimension des 27. Januars greifbar machten und die Perspektive eines Menschen in den Vordergrund rückten, der Verfolgung und Gewalt selbst erleben musste. Die Lesung schuf einen Moment großer Aufmerksamkeit und führte vor Augen, wie wichtig individuelle Zeugnisse für das Verständnis der Geschichte sind. Musikalisch wurde die Veranstaltung durch Klarinettenstücke jüdischer Lieder begleitet. Die Musik setzte einen ruhigen und zugleich eindringlichen Akzent, der die Atmosphäre prägte und die Bedeutung des Gedenkens unterstrich.
Die Veranstaltung zeigte, wie kulturelle und politische Bildungsarbeit gemeinsam wirken können. Sie verdeutlichte, dass Erinnerungskultur nicht nur historische Auseinandersetzung bedeutet, sondern auch Impulse für gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Mitgestaltung gibt. Viele der Anwesenden nutzten den Rahmen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und eigene Gedanken zu teilen. Die Verbindung aus stillen Momenten, persönlichem Zeugnis und kulturellem Beitrag schuf ein dichtes Bild des Engagements für eine vielfältige und offene Stadtgesellschaft.
Auch im kommenden Jahr werden weitere Formate der historisch-politischen Bildung geplant, die an bestehende Aktivitäten anknüpfen und neue Perspektiven eröffnen sollen. Der Tag des Gedenkens bleibt dabei ein fester Bestandteil, um die Auseinandersetzung mit Geschichte fortzuführen und aktuelle demokratische Entwicklungen aufmerksam zu begleiten.
Veranstalter: Alter Gasometer e.V.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.