Bündnis „Kein Schlussstrich!“ Zwickau: Fokustreffen NSU-Opfer-Gedenken und Aufarbeitung
Mittwoch
04 Feb.
2026
Das Erinnern an die Verbrechen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds bleibt auch in Zwickau eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Für uns als soziokulturelles Zentrum ist die Auseinandersetzung mit rechter Gewalt, Rassismus und deren Folgen eng mit den eigenen Werten verbunden. Bildung, Teilhabe und demokratische Mitgestaltung bilden die Grundlage für eine lebendige Erinnerungskultur, die unterschiedliche Perspektiven einbezieht und Raum für Austausch schafft.
Im Rathaus Zwickau kamen etwa 40 Personen zusammen, um über das Gedenken und die weitere Aufarbeitung rund um den NSU-Komplex zu beraten. Der Impuls für das kurzfristig organisierte Fokustreffen ging aus dem Bündnis für Demokratie und Toleranz hervor. Die Veranstaltung entstand in Kooperation mit dem Theater Plauen-Zwickau. Anwesend waren unter anderem der Intendant Dirk Löschner, Oberbürgermeisterin Constance Arndt sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Stadtverwaltung und Behörden. Das Treffen bildete zugleich den Auftakt der seit Januar bestehenden Zusammenarbeit zwischen Offener Prozess gGmbH und Alter Gasometer e. V.
Nach eröffnenden Worten der Oberbürgermeisterin, des Intendanten und von Nathalie Senf von Offener Prozess gGmbH, gab René Hahn einen Überblick über die bisherigen Entwicklungen in Zwickau im Zusammenhang mit dem Gedenken an die Opfer des NSU. Im Anschluss arbeiteten die Teilnehmenden in vier Gruppen. Im Mittelpunkt standen die Einbindung neuer Akteurinnen und Akteure mit besonderem Blick auf migrantische Communities, die Weiterentwicklung bestehender Formate, die inhaltliche Ausgestaltung des Gedenktags am 04.11. und einer Veranstaltung am 07.11. sowie die Entwicklung von Angeboten für Schulen und die stärkere Beteiligung junger Menschen. Deutlich wurde der Wunsch nach langfristigen Strukturen und einer breiten gesellschaftlichen Beteiligung.
Das Jahr 2026 markiert einen besonderen Zeitpunkt. Zum 15. Mal jährt sich die sogenannte Selbstenttarnung des NSU am 04. November 2011. Für die Angehörigen der Opfer bedeutete dieser Tag das Ende diskriminierender Ermittlungen und falscher Verdächtigungen gegen ihre Familien. Zudem gibt es noch weitere wichtige Jahretage. So jähren sich z.B. die Morde an Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat zum 20. Mal. Das Gedenkjahr soll deshalb Raum für würdiges Erinnern, kritische Reflexion und gemeinsame Verantwortung bieten.
Das Fokustreffen versteht sich als Beginn eines intensiven Arbeitsprozesses. Weitere Abstimmungen und konkrete Planungen folgen in den kommenden Monaten. Interessierte aus Zivilgesellschaft, Kultur, Bildung und Jugendarbeit können sich in die Gestaltung des Gedenkjahres einbringen und so dazu beitragen, dass Erinnerung in Zwickau sichtbar bleibt und demokratische Haltung gestärkt wird.
Veranstalter: Alter Gasometer e.V.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.