Zwischen Betrieb, Stadt und Gesellschaft: Projekttage mit VW-Auszubildenden im Alten Gasometer
Mittwoch
22 Apr.
2026
Im Rahmen seiner Bildungsarbeit versteht sich der Verein Alter Gasometer e. V. als Ort für gesellschaftliche Debatten, kulturelle Bildung und demokratische Mitgestaltung. Projekttage mit jungen Menschen aus Ausbildung und Beruf sind dabei ein wichtiger Bestandteil. Sie eröffnen Räume für Austausch, Reflexion und gemeinsames Lernen jenseits des Arbeitsalltags. Die Zusammenarbeit mit Auszubildenden stärkt den Dialog zwischen betrieblicher Realität und soziokultureller Praxis.
Vom 20.04. bis 22.04. fanden im Alten Gasometer dreitägige Projekttage mit 13 Auszubildenden von Volkswagen statt. Im Mittelpunkt standen Fragen der Beteiligung im Betrieb, soziale Ungleichheiten und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Die Teilnehmenden beschäftigten sich intensiv mit Ursachen und Folgen von Klassismus und diskutierten, wie sich soziale Herkunft auf Bildungswege und berufliche Chancen auswirken kann. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Möglichkeiten und Gefahren von Künstlicher Intelligenz, die als technisches Werkzeug ebenso wie als gesellschaftlicher Faktor betrachtet wurde. Fachbegriffe wurden dabei alltagstauglich erklärt, um einen gemeinsamen Wissensstand zu schaffen.
Die Projekttage waren geprägt von einem offenen und engagierten Meinungsaustausch. Digitale Methoden spielten eine zentrale Rolle und ermöglichten interaktive Zugänge zu komplexen Themen. Diskussionsformate, digitale Abstimmungen und kollaborative Arbeitsphasen förderten Beteiligung und eigenständiges Denken. Besonders sichtbar wurde das hohe Engagement der Auszubildenden, die eigene Erfahrungen einbrachten und kritisch hinterfragten. Die Atmosphäre begünstigte respektvolle Gespräche, auch bei kontroversen Positionen, und stärkte das Bewusstsein für demokratische Aushandlungsprozesse.
Ein weiterer Teil des Programms widmete sich der lokalen Geschichte und ihren Gegenwartsbezügen. Im Rahmen eines digitalen Actionbound erkundete die Gruppe jüdisches Leben in Zwickau. Das gute Wetter unterstützte den Stadtrundgang und schuf günstige Bedingungen für Gespräche im öffentlichen Raum. Die Beschäftigung mit Biografien, Orten und Brüchen jüdischer Geschichte wurde mit der Auseinandersetzung um den NSU und dessen Folgen verbunden. Dabei ging es um Erinnerungskultur, institutionelles Versagen und die Verantwortung heutiger Gesellschaften.
Die Erfahrungen aus den Projekttagen fließen in die weitere Bildungsarbeit ein und zeigen, wie wichtig solche Formate für Teilhabe und politische Bildung sind. Geplant ist, vergleichbare Angebote weiterzuentwickeln und neue Kooperationen anzustoßen, um junge Menschen langfristig für gesellschaftliche Mitgestaltung zu gewinnen.
Veranstalter: Alter Gasometer e.V.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.