Klassismus, KI und Mitbestimmung: Projekttage mit VW-Auszubildenden im Alten Gasometer
Mittwoch
29 Apr.
2026
Im Rahmen seiner Bildungsarbeit versteht sich der Verein Alter Gasometer e. V. als Ort für gesellschaftliche Debatten, kulturelle Bildung und demokratische Mitgestaltung. Projekttage mit jungen Menschen aus Ausbildung und Beruf sind dabei ein wichtiger Bestandteil. Sie eröffnen Räume für Austausch, Reflexion und gemeinsames Lernen jenseits des Arbeitsalltags. Die Zusammenarbeit mit Auszubildenden stärkt den Dialog zwischen betrieblicher Realität und soziokultureller Praxis.
Vom 27.04. bis 29.04. fanden im Alten Gasometer dreitägige Projekttage mit 13 Auszubildenden von Volkswagen statt. Im Mittelpunkt standen Fragen der Beteiligung im Betrieb, soziale Ungleichheiten und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit Ursachen und Folgen von Diskriminierung und insbesondere Klassismus auseinander. Die Referentinnen vermittelten die komplexen Inhalte fachlich fundiert, sensibel und zugleich praxisnah, wodurch ein vertrauensvoller Raum für persönliche Reflexion und offene Diskussionen entstand. Besonders hervorgehoben wurde die Fähigkeit der Referentinnen, individuelle Erfahrungen der Auszubildenden aufzugreifen und diese mit strukturellen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu verknüpfen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Möglichkeiten und Gefahren von Künstlicher Intelligenz und Fake News. Der Referent von Mekosax überzeugte durch einen anschaulichen und kompetenten Zugang zum Thema. Technische Grundlagen wurden verständlich erklärt und zugleich kritisch eingeordnet. Anhand konkreter Beispiele diskutierte die Gruppe, wie Desinformation entsteht, welche Rolle KI dabei spielt und welche Kompetenzen es braucht, um Medieninhalte reflektiert zu bewerten. Der Workshop regte die Teilnehmenden sichtbar dazu an, eigene Mediennutzungsgewohnheiten zu hinterfragen. Die Projekttage waren insgesamt geprägt von einem offenen und engagierten Meinungsaustausch. Digitale Methoden spielten eine zentrale Rolle und ermöglichten interaktive Zugänge zu komplexen Themen. Diskussionsformate, digitale Abstimmungen und kollaborative Arbeitsphasen förderten Beteiligung und eigenständiges Denken.
Besonders sichtbar wurde das hohe Engagement der Auszubildenden, die eigene Erfahrungen einbrachten und gesellschaftliche Fragen kritisch hinterfragten. Die respektvolle Atmosphäre trug dazu bei, auch kontroverse Positionen konstruktiv auszuhandeln und demokratische Prozesse erfahrbar zu machen. Ein weiterer Teil des Programms widmete sich der lokalen Geschichte und ihren Gegenwartsbezügen. Im Rahmen eines digitalen Actionbounds erkundete die Gruppe jüdisches Leben in Zwickau. Das gute Wetter unterstützte den Stadtrundgang und schuf günstige Bedingungen für Gespräche im öffentlichen Raum. Die Auseinandersetzung mit Biografien, Orten und Brüchen jüdischer Geschichte wurde mit der Beschäftigung mit dem NSU-Komplex und dessen Folgen verbunden. Thematisiert wurden Erinnerungskultur, institutionelles Versagen und die Verantwortung heutiger Gesellschaften.
Die Erfahrungen aus den Projekttagen fließen in die weitere Bildungsarbeit des Alten Gasometers ein und unterstreichen den hohen Wert solcher Formate für politische Bildung und Teilhabe. Geplant ist, vergleichbare Angebote weiterzuentwickeln und neue Kooperationen anzustoßen, um junge Menschen langfristig für gesellschaftliche Mitgestaltung zu gewinnen.
Veranstalter: Alter Gasometer e.V.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.