Wenn VW-Azubis bessere argumentieren als Politiker

Mittwoch
10 Juni
2026

Im Rahmen seiner Bildungsarbeit versteht sich der Verein Alter Gasometer e. V. als Ort für gesellschaftliche Debatten, kulturelle Bildung und demokratische Mitgestaltung. Projekttage mit jungen Menschen aus Ausbildung und Beruf sind dabei ein zentraler Bestandteil: Sie schaffen Freiräume für Austausch, Reflexion und gemeinsames Lernen jenseits des Arbeitsalltags und fördern den Dialog zwischen betrieblicher Praxis und soziokulturellen Perspektiven.

Im Juni 2026 fanden im Alten Gasometer die nächsten zwei dreitägige Projektphasen mit unterschiedlichen Gruppen von Auszubildenden von Volkswagen statt: vom 01.06. bis 03.06. sowie vom 08.06. bis 10.06.. Insgesamt nahmen die Auszubildenden engagiert an den Programmen teil und setzten sich intensiv mit zentralen gesellschaftlichen Fragestellungen auseinander. Im Fokus standen Fragen der Mitbestimmung im Betrieb, soziale Ungleichheiten und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen.

Auffällig war in beiden Projektwochen die hohe Qualität der Diskussionen: Die Teilnehmenden brachten umfassendes Vorwissen, eigene Erfahrungen und reflektierte Perspektiven ein. Die Gespräche verliefen über weite Strecken intensiv, konzentriert und zugleich ausgesprochen fair. Auch bei unterschiedlichen Standpunkten begegneten sich die Auszubildenden respektvoll, hörten einander zu und argumentierten differenziert. Dadurch entstand eine produktive Arbeitsatmosphäre, die von gegenseitiger Wertschätzung und ernsthaftem Interesse am Austausch geprägt war.

Die Auseinandersetzung mit Ursachen und Folgen von Diskriminierung, insbesondere Klassismus, bewegte sich auf einem hohen inhaltlichen Niveau. Die Referent*innen vermittelten die Themen fachlich fundiert, sensibel und praxisnah und schufen einen vertrauensvollen Rahmen, in dem auch persönliche Erfahrungen eingebracht werden konnten. Gerade in diesen Gesprächsphasen zeigte sich die Stärke der Gruppen: fundierte Beiträge, kluge Nachfragen und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven zu durchdenken, prägten die Diskussionen. Besonders gelungen war die Verknüpfung individueller Lebensrealitäten mit strukturellen gesellschaftlichen Zusammenhängen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz sowie der Verbreitung von Fake News. Der Referent von Mekosax vermittelte die Inhalte anschaulich und kompetent. Die Teilnehmenden arbeiteten sich konzentriert in technische Grundlagen ein und diskutierten anhand konkreter Beispiele, wie Desinformation entsteht und welche Rolle KI dabei spielt. Auch hier zeigte sich deutlich das hohe Reflexionsniveau: Die Auszubildenden beteiligten sich aktiv, hinterfragten kritisch und entwickelten eigene, differenzierte Einschätzungen.

Insgesamt waren beide Projektphasen von einem engagierten, fachlich starken und dialogorientierten Austausch geprägt. Digitale Methoden unterstützten die intensive Arbeitsatmosphäre und ermöglichten interaktive Zugänge zu komplexen Fragestellungen. Diskussionsformate, digitale Abstimmungen und kollaborative Arbeitsphasen stärkten Beteiligung, Eigenverantwortung und kritisches Denken.

Besonders sichtbar wurde das große Engagement der Auszubildenden in ihrer Art zu diskutieren: Sie argumentierten sachlich, setzten sich ernsthaft mit Gegenpositionen auseinander und entwickelten gemeinsam tragfähige Gedanken weiter. Die respektvolle und konzentrierte Atmosphäre ermöglichte es, auch kontroverse Themen offen und zugleich konstruktiv zu verhandeln und demokratische Prozesse unmittelbar erfahrbar zu machen.

Ein weiterer Programmpunkt widmete sich der lokalen Geschichte und ihren Bezügen zur Gegenwart. Im Rahmen eines digitalen Actionbounds erkundeten die Gruppen jüdisches Leben in Zwickau. Die Teilnehmenden arbeiteten aufmerksam, tauschten sich auch im öffentlichen Raum intensiv aus und stellten reflektierte Bezüge zur heutigen Zeit her. Die Beschäftigung mit historischen Biografien und Orten wurde mit der Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex verbunden. Themen wie Erinnerungskultur, institutionelles Versagen und gesellschaftliche Verantwortung wurden auch hier differenziert und kenntnisreich diskutiert.

Die Erfahrungen aus den beiden Projektwochen fließen in die weitere Bildungsarbeit des Alten Gasometers ein und unterstreichen den hohen Wert solcher Formate für politische Bildung und Teilhabe. Ziel bleibt es, vergleichbare Angebote weiter auszubauen und junge Menschen nachhaltig für gesellschaftliche Mitgestaltung zu gewinnen.

Veranstalter: Alter Gasometer e. V.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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