Auf den Spuren der Geschichte
Dienstag
01 Sep.
2026
Multiplikatorinnen-Fortbildung zum KZ-Außenlager Mülsen St. Micheln und dem Todesmarsch
Am 28. August fand von 10 bis 17 Uhr eine Fortbildung für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zum ehemaligen KZ-Außenlager Mülsen St. Micheln und dessen Räumung statt. Im Mittelpunkt standen die historische Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen vor Ort, unsere Vermittlungsarbeit mit Jugendlichen und die Frage, wie Lernorte wie die Textilfabrik für die politisch-historische Bildungsarbeit genutzt werden können. Die Fortbildung fand im Rahmen des Projektes „Zeitenblicke“ der Brücke|Most-Stiftung statt.
Ziel der Fortbildung war es, sowohl historische Informationen zum Ort und den damaligen Geschehnissen zu vermitteln als auch praktische Einblicke in unsere Projektarbeit zu geben. Im Fokus standen dabei unsere Arbeit mit Jugendlichen und die vergangenen Jugendgeschichtsprojekte.
Ein erster Schwerpunkt lag auf dem ehemaligen Standort des KZ-Außenlagers Mülsen St. Micheln, der Textilfabrik in der Otto-Boessneck-Straße. Bei einer Führung durch das Gebäude erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Geschichte des Ortes sowie in die damaligen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Häftlinge. Dabei wurde deutlich, welche Bedeutung der Besuch dieses historischen Ortes für die Vermittlung von Geschichte hat: Als Lernort entfaltet er eine besondere Wirkung, und bereits die unmittelbare Begegnung mit dem Ort kann ein wichtiger Faktor für eine gelingende Vermittlung sein.
Neben den historischen Fakten stellten wir auch unser Projekt vor. Einen wichtigen Bestandteil bilden dabei unsere verschiedenen Jugendprojekte, die es jungen Menschen ermöglichen, sich eigenständig mit der Geschichte des KZ-Außenlagers und des Todesmarsches auseinanderzusetzen. Die Projekte und ihre Ergebnisse zeigen, wie Jugendliche durch Recherche, kreative Methoden und die Beschäftigung mit lokalen Biografien einen eigenen Zugang zur Geschichte entwickeln können. Wir nutzten den Rahmen der Fortbildung, um unsere wichtigsten Erfahrungen in diesem Bereich zu teilen und unsere Vorgehensweise in den Projekten vorzustellen.
Ein weiterer Teil der Fortbildung führte die Gruppe entlang der historischen Todesmarsch-Strecke. In Bad Schlema legten wir einen längeren Halt ein und beschäftigten uns ausführlich mit dem Ort der Erschießung und dem Denkmal am Kohlweg. Auch hier ging es nicht nur um die reine Vermittlung historischer Informationen, sondern ganz konkret um das Ergebnis eines Jugendgeschichtsprojektes: die Informationstafel am ehemaligen Sportplatz, die 2025 auf Initiative einer Jugendgeschichtsgruppe gestaltet und aufgestellt wurde.
Das Denkmal am Kohlweg bietet aufgrund seiner Symbolik einen besonderen Anlass, um Gedenkkultur kritisch zu hinterfragen. Auch hier stellten wir den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor, wie wir mit Schulklassen vor Ort arbeiten und welche Themen für uns dabei von besonderer Bedeutung sind. Der Wechsel zwischen historischen Informationen, der Auseinandersetzung mit den konkreten Orten und der gemeinsamen Reflexion machte dabei deutlich, welche Möglichkeiten eine ortsbezogene Erinnerungsarbeit bietet.
In Eibenstock begegneten wir außerdem dem ehemaligen Bürgermeister Herrn Staab, der das Projekt DenkMal seit seinen Anfängen begleitet. Im Gespräch wurde deutlich, wie wichtig langfristiges Engagement vor Ort für die Bewahrung und Vermittlung von Geschichte ist.
Seine Begleitung des Projekts steht zugleich beispielhaft für die Zusammenarbeit verschiedener Akteure, die sich für eine lebendige Erinnerungskultur einsetzen. Gerade bei einem Thema wie der Geschichte des KZ-Außenlagers Mülsen St. Micheln und des Todesmarsches sind diese kontinuierliche Arbeit und das kommunale Engagement von großer Bedeutung.
Die Fortbildung zeigte, dass historische Bildungsarbeit weit mehr ist als die Vermittlung von Daten und Fakten. Sie lebt von Orten, persönlichen Geschichten, Begegnungen und Menschen, die Verantwortung für die Erinnerung übernehmen. Unser Projekt hat dafür in den vergangenen zwei Jahren verschiedene Möglichkeiten geschaffen: Es verbindet die historische Aufarbeitung mit Jugendbildung und macht Geschichte dort sichtbar, wo sie stattgefunden hat. Die Fortbildung bot den Teilnehmenden damit nicht nur einen vertieften Einblick in die Geschichte des KZ-Außenlagers Mülsen St. Micheln und des Todesmarsches, sondern auch Anregungen für die eigene pädagogische Arbeit.